Neues und Status Quo zum Nachhaltigkeitsreporting: was deutsche Unternehmen jetzt wissen müssen
Der Rat der Europäischen Union hat den Vereinfachungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung und den unternehmerischen Sorgfaltspflichten zugestimmt. Nun haben die EU-Mitgliedsstaaten grundsätzlich ein Jahr Zeit, das Ganze in nationale Gesetze zu gießen. Darüber hinaus hat vor wenigen Tagen die Initiative Sustainability Transformation Monitor der Peer School for Sustainable Development e.V. (Mannheim) ihre diesjährige Studie veröffentlicht. Diese zeigt den aktuellen Stand sowie die Stimmung zur Nachhaltigkeit in deutschen Unternehmen auf. Lassen sich aus beiden Themen To-Dos für deutsche Unternehmen ableiten? Darüber hat hsp-Markenleiter Maori Kunigo mit dem Experten und Berater für Nachhaltigkeitsreporting Dr. Steve Waitschat gesprochen.
EU-Rat winkt Vereinfachungen durch: Was kommt jetzt für deutsche Unternehmen?
Die Debatte um Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt dynamisch: Der EU-Rat hat vor kurzem die Vereinfachungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung abgesegnet. Endlich, möchte man sagen, können Unternehmen auf Klarheit und Planungssicherheit hoffen. Aber trifft das auf die Realität zu? „Das wurde jetzt ein bisschen gehypt“, ordnet Dr. Waitschat die Neuigkeit ein. Es gab politisch grünes Licht zur Vereinfachung der Berichtsanforderungen, und die konkreten Schwellenwerte, die bereits bekannt waren, bleiben bestehen: etwa 1000 Mitarbeitende oder 450 Millionen Euro Umsatz als Richtwerte, erster verpflichtender Berichtszeitraum 2028 (für das Geschäftsjahr 2027).
Für den Experten sind andere Punkte allerdings wesentlich wichtiger:
Sustainability Transformation Monitor 2026: große Unsicherheit beim Thema Nachhaltigkeit
Der Sustainability Transformation Monitor befragt Verantwortliche in deutschen Unternehmen zum aktuellen Stand beim Thema Nachhaltigkeit. Dazu gehören Maßnahmen und Vorhaben, aber auch das Festhalten von Trends und Barrieren. Durchgeführt wird das Projekt durch die Universität Hamburg, die Peer School of Sustainability in Mannheim, die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung Mercator. Befragt wurden insgesamt 822 Unternehmen, die als freiwillige Teilnehmer Fragen zur Nachhaltigkeitstransformation beantwortet haben. Die Ergebnisse liefern nützliche Einsichten für die Praxis.
Wer hat teilgenommen?
- Rund die Hälfte der befragten Unternehmen kommen aus der Realwirtschaft, die andere Hälfte aus der Finanzwirtschaft.
- Antworten kommen sowohl von großen, berichtspflichtigen Unternehmen als auch von kleineren Firmen.
Nachhaltigkeit muss von oben gefördert werden
Wichtigste Erkenntnisse: Politik und Regulierung sind der größte Hemmschuh. Fast 50 Prozent sehen politische Unsicherheit als Barriere für die eigene Transformation. Ressourcenmangel, fehlende Fähigkeiten und Datenverfügbarkeit werden ebenfalls oft genannt. Allerdings ist Führungssupport der entscheidende Faktor. Steht die Geschäftsführung nicht hinter dem Thema, helfen auch Budgets und Personal wenig. Mehr als 60 Prozent der Befragten sehen keinen unmittelbaren Business Case für Nachhaltigkeitsmaßnahmen und setzen deshalb keine Priorität.
Trotz der allgemein nicht gerade optimistischen Stimmung planen viele Unternehmen weiterhin, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen. So möchten 75 Prozent derjenigen, die nicht mehr zwingend berichtspflichtig wären, auch künftig einen Bericht erstellen.
Nachhaltigkeitsbericht erstellen: die besten Einstiegspunkte für Unternehmen
Wenn der Business Case nicht offensichtlich ist, lohnt es sich, bei praktischen Hebeln anzusetzen. Die Studie zeigt, welche Themen für Unternehmen besonders vorteilhaft erscheinen.
- Energie- und Ressourceneffizienz: Über 60 Prozent sehen hier großen Mehrwert. Maßnahmen zur Reduktion von Energieverbrauch oder Materialeinsatz bringen oft schnelle Einsparungen und mindern Abhängigkeiten von globalen Lieferketten.
- Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement: Längere Perspektiven auf Materialeffizienz reduzieren Kosten und Risiken durch Rohstoffengpässe.
- Mitarbeiterbindung: Fast 50 Prozent sehen Nachhaltigkeit als wichtigen Faktor zur Bindung von Talenten – ein relevanter Punkt im Wettbewerb um Fachkräfte.
- Marktchancen: Rund die Hälfte sehen hier Potenzial, je nach Branche variierend.
Wie wichtig sind Nachhaltigkeitsberichte für Banken und Kredite?
Nachhaltigkeitsexpert:innen weisen seit Jahren darauf hin, dass immer mehr Banken bei der Kreditvergabe auf einen Nachhaltigkeitsbericht bestehen. Der einfache Gedanke dahinter: Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, betreibt kein zukunftsfähiges und resistentes Risikomanagement. Die Ausfallwahrscheinlichkeit liegt bei solchen Unternehmen nachweislich höher. Entsprechend zeigt der Sustainability Transformation Monitor 2026, dass Banken Nachhaltigkeit deutlich wichtiger bewerten als viele Unternehmen denken. Während Unternehmen oft glauben, Nachhaltigkeit spiele bei Kreditentscheidungen nur eine untergeordnete Rolle, sagen Banken selbst, dass sie Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend in ihr Risikomanagement integrieren.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Nachhaltigkeit ist nicht einfach ein Image- oder Gute-Laune-Thema, sondern geht ins Geld. Die Kosten und Aufwände zur Erstellung und Pflege eines Nachhaltigkeitsberichts sind überschaubar. Dem gegenüber stehen erhebliche finanzielle Mehrwerte, vorausgesetzt, die Nachhaltigkeitsdaten sind so aufbereitet, dass Kreditgeber sie nutzen können. Dies kann deutliche Einflüsse auf Kreditkonditionen haben.





